



Schon im Mittelalter gab es ein Schulwesen, ausgerichtet auf den Bedarf der Handwerker und Händler. In der Reformationszeit entstanden die sog. Küsterschulen zunächst für die Erwachsenen, später für die Kinder, damit die Bevölkerung die von Luther ins Deutsche übersetzte Bibel lesen konnten. Aus diesen auf Freiwilligkeit basierenden Schulen entwickelten sich im 19. Jh. die Elementarschulen und die Schulpflicht wurde eingeführt. Nach und nach verbesserte sich auch die Lehrerausbildung und damit der Unterricht, der über Jahrhunderte den Schwerpunkt im Lesen der Bibel und des Katechismus hatte und eher einer protestantischen Massenerziehung glich, die daneben das Ziel hatte, die Kinder und Jugendlichen zu folgsamen Bürgern zu erziehen.
Mindestens seit 1616 gibt es in Frotheim eine Schule! Das historische Schulgelände lag im Dreieck, welches heute von Tonnenheider Straße, Diepenauer Straße und Schmiedestraße gebildet wird. 1803 wurde das heruntergekommene Schulgebäude durch einen in „sparsamer Bauweise“ errichteten Neubau ersetzt, welcher aber auch nur einen Klassenraum für 130 Schülerinnen und Schüler enthielt und die Lehrerwohnung. Für die mittlerweile 210 Schülerinnen und Schüler erfolgte 1828 ein Neubau (=Alte Schule Frotheim Dorf) mit zwei Klassenräumen, 1886 ergänzt durch einen 3.Klassenraum und ein neues Lehrerhaus. Denn inzwischen wurde in vier Klassen unterrichtet.
1902 bzw. 1919 baute die Gemeinde die sog. „Abbauschulen“ in Diekerort und auf der Stelleriege (s.u.), so dass in der Schule Frotheim-Dorf „nur“ noch 255 der ca. 360 Frotheimer Schülerinnen und Schüler unterrichtet wurden. 1913 wurde an der heutigen Schmiedestraße ein neues Lehrerhaus errichtet. Im Laufe der Jahrzehnte sanken die Schülerzahlen auf 188 im Jahr 1947 und das marode alte Schulgebäude wurde 1955 durch einen vierklassigen Neubau am Arenskampweg ersetzt. Es folgten 1965 der Anbau der Turnhalle und 1968 die Erweiterung um einen Pavillon. Letzterer war Ende der 1980er Jahre so baufällig, das 1991/92 an seiner Stelle ein Neubau mit Aula errichtet wurde.
Heute gehört die einzügige Schule zum Grundschulverbund-Süd (Frotheim-Isenstedt-Benkhausen). Von den ehemaligen Gebäuden sind nur noch das Lehrerwohnhaus von 1913 in der Schmiedestraße in Frotheim-Dorf und die Schulbauten in Diekerort und auf der Stelleriege vorhanden.


Die Zeitzeugen schildern in ihren plattdeutsch gesprochenen Beiträgen persönliche Eindrücke aus ihrer Jugendzeit. Die Beiträge wurden frei gesprochen und ohne Vorbereitung aufgenommen. Sie spiegeln die heute gelebte Sprachpraxis wider.

Die nördlichste Frotheimer Schule befand sich im „Diekerort“ (heute Diekerorter Str. 7) und wurde 1902 als sogenannte Abbauschule (=Zweigschule – hier der Dorfschule, um deren Überfüllung abzubauen) gegründet. In einem Klassenraum wurden acht Jahrgänge unterrichtet, die im Jahre 1902 noch 59 und im Jahre 1961 noch 52 Schülerinnen und Schüler umfassten. Lehrer Schwier war von 1920 bis 1957 -und damit am längsten- an der Diekerorter Schule tätig. Er lehrte nach dem „Jena – Plan“ des Pädagogen Peter Petersen mit einer für damalige Zeiten ungewöhnlichen Maßnahme: Die Schüler saßen nicht in Reih und Glied, sondern an eigens gefertigten Gruppentischen!

Eine andere Abbauschule war die Stellerieger Schule (Foto um 1957). Sie lag im Südosten des Dorfes (heute Am Buchhügel 1). Sie wurde 1919 dort gebaut, wo früher eine Windmühle gestanden hatte. Diese Schule errichtete man auf das seit bereits 1820 existierende Bestreben der Stellerieger Bauern hin, wohl wegen des langen Schulweges der Kinder im Winter. In der einklassigen Schule wurden z.B. 1945 noch 59 Schülerinnen und Schüler unterrichtet – wenn alle da waren, musste der/die Letzte auf der Nähmaschine sitzen. Der ausgeprägte Elternwille dort zeigte sich Mitte der 1950er Jahre, als die angedachte Schließung der Schule wegen des Neubaus der Schule im Dorf erfolgreich verhindert wurde. So wurden 1961 dort noch 56 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Wie bei der Diekerorter Schule auch erfolgte 1968 die endgültige Schließung.
Einer der Lehrer lehrte die sogenannte Wurzelschrift (= Sprechspur), eine vom Dresdener Stenografen Felix von Kunowski entwickelte Kurzschrift für Kinder, die bei Vorschulkindern, Lernanfängern und in der Behindertenpädagogik ausprobiert wurde (1930er-1960er Jahre), die sich jedoch nicht durchsetzte.

Was bedeutete es für Frauen im 19. Jahrhundert, wenn sie Lehrerin werden wollten?

Ein Überblick über das Wirken des Schullehrers Esken in Frotheim im 19. Jahrhundert.

Lehrer hatten im 19. Jahrhundert einen schweren Stand. Hier berichtet einer von Ihnen, was der Lehrberuf zu dieser Zeit bedeutete.

Er war seit 1965 Lehrer in der Frotheimer (Grund-)Schule und von 1977 bis zur Pensionierung 2005 ihr Schulleiter. Sein Hobby war die plattdeutsche Sprache: Er stellte ein Wörterbuch zum Frotheimer Platt zusammen, schrieb Bücher, z.B. über die Lehrerfamilie Detering und 1991 eine Dorfchronik zum 750-Jahr-Jubiläum in Frotheim, sowie Gedichte, auch in Plattdeutsch. Im Jahr 1992 gründete er die Frotheimer Dorfgemeinschaft und sorgte in der Schule für die Präsentation der kulturhistorischen Funde, die bei den Sandabgrabungen in den 1950er Jahren gemacht wurden. Er unterstütze in vielfältiger Weise den VfL Frotheim, sang im Chor und vieles mehr. Viele Frotheimer von heute kennen ihn noch und schätzen ihn sehr. An ihn erinnern im Dorf sein Konterfei samt Gedicht auf einem Stromverteilerkasten und im Frotheimer Weg in Espelkamp an einem Hausgiebel: Dort ist ein Gedichtanfang (in Plattdeutsch natürlich) über zwei Raupen verewigt, die nach Bielefeld gehen wollten - und nicht weit kamen!