



Brammeyers Scheune ist eine 13,40 x 11,10 m große Zweiständer-Fachwerkscheune, die im Jahr 1750 erbaut worden ist. Ursprünglich war sie mit einem Strohdach versehen, das um 1963 vollständig durch ein neues Reetdach mit Heidefirst ersetzt wurde. Dafür gab es folgenden Grund: Zu der Zeit gab es das Langstroh kaum noch, das für ein solches Strohdach geeignet war. Weitere größere Dach-bzw. Firstausbesserungen erfolgten in den Jahren 1997 und 2009. Das tief herabgezogene Reetdach kragt auf reich profilierte Knaggen vor. (Definition Knagge: Im historischen Holzfachwerkbau ist eine Knagge ein mit Ständer und Balkenkopf verzapftes Winkelholz senkrecht zur Wand, das die Balken verriegelt (fixiert) und die Vorkragung gegen die Wand konsolenartig abstützt. Die Knagge ist ein dreieckiges Vollholz, teilweise mit geschwungener oder ausgerundeter Unterseite. Die Gefache sind unterschiedlich mit Weidenzweigen als Flechtwerk oder mit Lehm oder mit Ziegel- bzw. Bruchsteinfüllung gefüllt.) An den Giebelseiten befinden sich jeweils Torausfahrten, so dass früher mit beladenen Erntewagen auf der einen Seite hinein- und mit dem leeren Wagen auf der anderen Seite heraus gefahren werden konnte. Die stroh- bzw. reetgedeckte Scheune hat zwei Großbrände auf dem Hof unversehrt überstanden, weil der Wind jeweils günstig stand.
Im Juli 1977 wurde die Scheune in einer Liste des Landeskonservators von Westfalen-Lippe als ein zu schützendes Kulturgut in der Stadt Espelkamp aufgeführt. 1983 stimmte das Westfälische Amt für Denkmalpflege der geplanten Unterschutzstellung zu. Im Jahr 1990 wurde dem derzeitigen Eigentümer Friedrich Brammeyer die Urkunde mit der Denkmalplakette des Landes Nordrhein-Westfalen ausgehändigt.


Vor allem diente die Scheune der Lagerung von Heu, Stroh, Torf und Holz, sowie der Unterbringung landwirtschaftlicher Geräte. An der Südostseite der Scheune war ein Pferdestall eingerichtet, in dem meistens Stuten mit ihren Fohlen untergebracht waren. Auch neu gekaufte Pferde wurden zunächst in der Scheune untergestellt. Erst wenn sich herausstellte, dass die Pferde gesund waren und keine ansteckenden Krankheiten hatten, wurden sie in den eigentlichen Pferdestall, der sich im Wohnhaus neben der großen Diele befand, eingestellt. In der späteren Kutschwagenremise wurden früher 6 bis 10 Schafe gehalten. In den Jahren bis 1973 wurden zeitweise auch Rinder aufgestallt. Auch das letzte auf dem Hof gehaltene Pferd Meta war in der Scheune untergebracht. Bis 1973 diente die Scheune grundsätzlich landwirtschaftlichen Zwecken.
Im Juni des Jahres 1910 wurde gegen 23 Uhr das Wohnhaus aufgrund eines starken Sommergewitters durch einen Blitzschlag in Brand gesetzt. Das Feuer breitete sich so schnell aus, dass die Familie Brammeyer nur wenig Hab und Gut in Sicherheit bringen konnte. Die Pferde, Kühe und Schweine - sowie ein ganz geringer Teil des Mobiliars wurden gerettet. Das Wohngebäude brannte bis auf die Grundmauern ab. Die Familie Brammeyer richtete sich in der Scheune notdürftig nun eine Stube und eine Kammer ein. Bis zur Fertigstellung des Neubaus im Laufe der Jahre 1911 / 1912 diente die Scheune nun für etwa 10 Personen als Wohnung. Gekocht wurde in der Zeit im 1614 erbauten Backhaus, das auf der gegenüberliegenden Straßenseite stand. (Hinweis zum Backhaus: Das Backhaus (erbaut 1614) ist im Jahr 1968 abgebaut und im Jahr 1969 im Freilichtmuseum Detmold wieder aufgebaut worden. Es ist dort nun im Mindener Dorf beheimatet.) Im Jahr 1913 brannte aufgrund des unvorsichtigen Hantierens mit einer Petroleumlampe das zum Hof gehörende Heuerlingshaus (nordwestlich unweit der Scheune gelegen) ab. Dies wurde nicht wieder aufgebaut.
In den Jahren wurde die Scheune als Unterstellraum genutzt.
Da die Scheune nicht mehr genutzt wurde und die Unterhaltung eines solchen reetgedeckten Fachwerkgebäudes im Sinne der Denkmalpflege immer schwieriger wurde, ist im Jahr 1997 eine Kooperation zwischen der Familie Brammeyer, der Stadt Espelkamp und der Frotheimer Dorfgemeinschaft geschlossen worden. Die Frotheimer Dorfgemeinschaft erstellte ein Nutzungskonzept. Zum damaligen Zeitpunkt sahen die Frotheimer Dorfgemeinschaft und der Ortsheimatpfleger in der Scheune bereits einen geeigneten Raum, kulturhistorische Gegenstände auszustellen und der Nachwelt zu erhalten. Das Konzept der Nutzung sah / sieht wechselnde Ausstellungen vor – beispielsweise zur Torfgewinnung, Milchverarbeitung und allgemeinem ländlichen Kulturgut der Region. Im März 1997 begannen die Ausräum- und Restaurierungsarbeiten an und in der Scheune. Bevor der erste Scheunentag am 18. April 1999 stattfinden konnte, lagen hinter der Frotheimer Dorfgemeinschaft und vielen Helfern und Helferinnen über 1600 Arbeitsstunden. Auf den ersten Scheunentag sind bereits viele weitere Scheunentage und zu vereinbarende Besichtigungen erfolgt und es werden in Zukunft auch weitere Veranstaltungen folgen.

Der Zeitzeuge G. Bünemann schildert in seinem plattdeutsch gesprochenen Beitrag persönliche Eindrücke aus seiner Jugendzeit. Der Beitrag wurden frei gesprochen und ohne Vorbereitung aufgenommen. Er spiegelt die heute gelebte Sprachpraxis wider.
Hier sehen sie ein 360° Panorama-Tour vom Inneren der Scheune.

Das Backhaus des Hofes Brammeyer stammt aus dem Jahr 1614. Es ist eines der ältesten erhaltenen Backhäuser in Westfalen. Auf dem Bogen über dem Eingang ist die Inschrift „Anno 1614“ noch teilweise lesbar. Heute steht es im Freilichtmuseum Detmold.