



Der Bauer verpachtete ein kleines, oft minderwertiges Landstück sowie ein kleines, meist sehr einfach gebautes Haus nahe der Hofstelle. Er leistete Gespannhilfe z.B. für den Transport von Baumstämmen und für die Ernte und backte das Brot der Heuerlingsfamilie mit. Der Heuerling zahlte dafür Pacht, leistete mit seiner Familie „just in time“, also auf Abruf, Arbeit auf dem Hof des Bauern. Ein Heuerling hatten in der Regel keinen schriftlichen Vertrag, was erhebliche Abhängigkeit und Unsicherheit für ihn bedeutete.
Verbreitet ist es in Nordwestdeutschland: Begrenzt im Westen durch die Niederlande, im Osten durch die Westgrenze von Niedersachsen, im Süden durch die Grenze des nördlichen Ruhrgebiets und parallel dazu im Norden durch eine Linie in Höhe von Papenburg.
Vereinzelt gab es das Heuerlingswesen bereits vor dem 30-jährigen Krieg. Die wesentliche Bedeutung erreichte es erst nach ca. 1680 aufgrund des neu eingeführten Anerbenrechts (= genau ein Hoferbe, keine Hofteilung). Dadurch wuchs die Zahl der landbesitzlosen Bevölkerung beständig. Außerdem gab es außerhalb der Landwirtschaft kaum Arbeitsplätze.


Der Zeitzeuge R. Hussmann schildert in seinem plattdeutsch gesprochenen Beitrag persönliche Eindrücke aus seiner Jugendzeit. Der Beitrag wurden frei gesprochen und ohne Vorbereitung aufgenommen. Er spiegelt die heute gelebte Sprachpraxis wider.

Heuerlingshäuser waren -wie die Bauernhäuser auch- sogenannte „Einhäuser“ in Fachwerkbauweise, d.h. wie in den Bauernhäusern wurde in den Häusern das Vieh untergebracht, die Ernte aufbewahrt, gewirtschaftet, gekocht und gewohnt. Im Gegensatz zu den Bauernhäusern waren die Heuerlingshäuser in der Regel wesentlich kleiner, weniger solide konzipiert und wurden meist mangelhaft Instand gehalten. Aufgrund der Bauweise -die selbsttragende Konstruktion von verzapften Balken bildete überwiegend rechteckige Zwischenräume, die sogenannten Gefache, die [nur] mit einem Weidengeflecht ausgefüllt und mit Lehm verputzt waren- war die Innentemperatur in der Regel ähnlich der Außentemperatur und Wärmezufuhr im Winter geschah nur durch die Kochstelle und die Tiere, später dann auch durch einen Ofen im Wohnbereich. Die hygienischen Zustände waren teilweise katastrophal, zumal auch die Brunnen wegen der Nähe des Misthaufens oft kein sauberes Wasser lieferten.

Nach dem Auslaufen des Heuerlingswesens in den 1950er-Jahren verfielen die nicht mehr modernen Standards entsprechenden Heuerlingshäuser mehr und mehr. Nur wenige der einstmals mehrere Tausend zählende Heuerlingshäuser überstanden diese Phase: Sehr viele wurden abgebrochen und nicht wenige fielen Bränden zum Opfer, die z.T. von Feuerwehrübungen oder verzögerten Feuerwehreinsätzen „begleitet“ wurden, einige verfallen auch heute noch immer weiter. Dagegen stehen restaurierte Heuerlingshäuser, die jeden modernen Komfort besitzen und zu wunderschönen Anwesen entwickelt wurden.

Aus dem Dokumentationsfilm der Stadführer Espelkamp - "Ein Heuerlinghaus im Wandel der Zeit" nach der Idee von Karl-Heinz Tiemeier. Copyright DBR Graphixx.
Eine Filmvorführung kann im Kulturbüro der Stadt Espelkamp gebucht werden.