



Beim „Alten Moor“ handelt es sich um eines der wertvollsten Niedermoore in Nordrhein-Westfalen. Die Naturschutzflächen weisen insgesamt 62 ha auf und sind überwiegend in Landesbesitz. Es ist ein floristisch und faunistisch sehr artenreiches Gebiet mit Feucht- und Nasswiesen, Tümpeln, Hochmoorresten und urwüchsigen, sumpfigen Flächen. Hier haben viele Pflanzen- und Tierarten der Roten Liste ihren einzigen Lebensraum innerhalb des Kreisgebietes und zum Teil sogar darüber hinaus. Viele von ihnen haben sich an spezielle Standorte angepasst. Sie können sich langfristig nur behaupten, wenn robuste Konkurrenzpflanzen durch regelmäßige Mahd und Entbuschung begrenzt werden. Eine andere Naturschutzmaßnahme ist die Schürfung von flachen Mulden und Tümpeln. Dadurch wird historisches Samenmaterial bloßgelegt und kann auskeimen. Daneben wird die Ansiedlung und Entwicklung von Amphibien und Libellen gefördert.
Im Jahre 1980 wurde das „Alte Moor“ durch den Landschaftsplan als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Der Schutzwert des Gebietes hat wesentlich mit seiner Lage zu tun, denn das gesamte Umland entwässert durch das tiefliegende Moor und den Moorbach. Allerdings bestehen hierdurch seit Jahrzehnten Entwässerungsprobleme. Denn einerseits ist das Umland in manchen Jahreszeiten zu nass. Und andererseits fällt das Niedermoor im Frühsommer zu schnell trocken. In den Sommermonaten sinkt der Grundwasserspiegel bis zu 1,30 m unter die Erdoberfläche ab. Ein ausreichender Sommerwasserstand ist für das „Alte Moor“ aber überlebensnotwendig. 1992 wird versucht, für Landwirte, beteiligte Kommunen und den Naturschutz eine einvernehm-liche Lösung zu finden. Die Entwässerungsproblematik ist jedoch sehr komplex. Daher sind zwei Pumpwerke/Schöpfwerke in Hille und Frotheim gebaut worden, die den verschiedenen Interessen gerecht werden soll. Ein Pumpwerk/Schöpfwerk steht am Moorbach in Hille, im Grenzbereich zwischen „Neuenbaumer Moor“ und „Altem Moor“ und das andere an der Barenhorststraße in Frotheim. Ziel ist es, die Wasserverhältnisse sowohl im Naturschutzgebiet als auch für die Landwirtschaft außerhalb zu verbessern.
Das Große Torfmoor (515 ha) ist ein Naturschutzgebiet und hat eine weitgehend gehölzfreie und wiedervernässte Hochmoor-Kernzone, etlichen Moorgewässer, hochmoortypischer Vegetation und Glockenheide-Feuchtheide in den Randbereichen. Das Gesamtgebiet umfasst die wichtigsten Moorlebensräume im Kreis mit zahlreichen bedrohten Tier- und Pflanzenarten; Naturerlebnis-möglichkeiten durch Rundwanderwege, Moor-Erlebnis-Pfad und Beobachtungstürme.
Sprecherin: Lara Heiderich

Natura 2000 ist ein europaweites, zusammenhängendes Netz von besonderen Schutzgebieten, das der Erhaltung und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt in der Europäischen Union dient. Bestandsgefährdete, wildlebende Tiere und Pflanzen im Kreis Minden-Lübbecke sollen in ihrer Ausbreitung und ihrem genetischen Austausch gefördert und so ihr dauerhaftes Überleben gesichert werden. Eine Säule dieses Systems bildet die FFH-Richtlinie. Die Abkürzung FFH steht für Fauna = Tierwelt, Flora = Pflanzenwelt und Habitat = Lebensraum. Diese Richtlinie wurde 1992 zum Schutz und zur Entwicklung natürlicher, naturnaher und wertvoller kulturgeprägter Lebensräume für gefährdete Tier- und Pflanzenarten von der Europäischen Union erlassen. Für bestimmte gefährdete Arten und Lebensraumtypen wurden seitdem europaweit FFH-Schutzgebiete ausgewiesen und hochgradig bedrohte Tier- und Pflanzenarten auch außerhalb der Schutzgebiete flächendeckend geschützt. Die andere Säule bildet die EU-Vogelschutzrichtlinie von 1979, nach deren Maßgabe die EU-Vogelschutzgebiete für bedrohte Vogelarten ausgewiesen wurden. Ziel dieser Richtlinie ist jedoch der langfristige Schutz und die Erhaltung aller wildlebenden Vogelarten in Europa.


Die Moore bieten vielen spezialisierten Tieren und Pflanzen einen Lebensraum. Einige Arten sind gut an die nassen und nährstoffarmen Bedingungen angepasst. Typische Vogelarten sind Bruchwasserläufer, Bekassine, Kampfläufer und Trauerseeschwalbe. Sie finden in den feuchten Flächen Nahrung und Brutplätze. Krickente, Knäkente und Rohrweihe nutzen die Moore während der Brutzeit. Auch seltene Arten wie Wachtelkönig, Kranich und Weißstorch kommen hier vor. Der Neuntöter jagt von erhöhten Sitzwarten. Der Moorfrosch ist ein typischer Vertreter der Amphibien. Unter den Insekten fällt die Große Moosjungfer auf, eine Libellenart, die auf intakte Moorgewässer angewiesen ist. Auch die Pflanzenwelt ist stark spezialisiert. Torfmoose bestimmen den Moorboden und speichern große Mengen Wasser. Rosmarinheide, Glockenheide, Moosbeere und Sonnentauarten sind typische Begleiter. Letzterer fängt Insekten, um Nährstoffe zu gewinnen. Wollgräser, Schnabelried und Pfeifengras prägen das Bild vieler Moorflächen. Besonders feuchte Stellen besiedeln Sumpfcalla, Wasserschlauch und Fieberklee. In lichten Bereichen wachsen Knabenkraut, Lungen-Enzian und Sumpf-Veilchen. Alle genannten Arten sind auf den Erhalt der Moore angewiesen. Sie gelten als typische Vertreter dieser besonderen Lebensräume.

Die Zeitzeugen schildern in ihren plattdeutsch gesprochenen Beiträgen persönliche Eindrücke aus ihrer Jugendzeit. Die Beiträge wurden frei gesprochen und ohne Vorbereitung aufgenommen. Sie spiegeln die heute gelebte Sprachpraxis wider.

Moore gehören zu den größten erdverbundenen Kohlenstoffspeichern. Sie sind sogenannte ökologische Senken, d.h. sie nehmen unter optimalen Bedingungen mehr Kohlenstoff aus der Atmosphäre auf als sie abgeben. Der Kohlenstoff wird in Pflanzen und im Boden eines Moores gespeichert. Moore machen nur 3 Prozent der globalen Landoberfläche aus, speichern aber 30 Prozent des weltweiten Bodenkohlenstoffs. Seit der letzten Eiszeit ist in den Mooren ganz viel Kohlenstoff über Photosynthese eingebunden und eingelagert worden. Die vom Menschen weltweit entwässerten und zum Teil abgebauten Moore hingegen sind zu einem ökologischen Problem geworden. Sie geben den gespeicherten Kohlenstoff dann in Form von CO2 oder anderen Treibhausgasen wieder frei. Wird das Moor entwässert, kommt Luft in den Moorboden. Dadurch laufen aerobe Abbauprozesse ab. Die aerob arbeitenden Mikroorganismen wandeln Kohlenstoff zu CO2 um – so entsteht unser Klimaproblem. Ein hoher Wasserstand hingegen verhindert, dass Pflanzenreste aus Wurzeln und Blättern schnell abgebaut werden. Dadurch baut sich Torf auf und Kohlenstoff wird gespeichert. Dabei gilt: Nässer ist besser. Ein Wasserstand knapp unter der Oberfläche ist optimal. Denn nur mit dem optimalen Wasserstand im Moor kann das Eindringen von Luftsauerstoff in den Moorboden vermieden werden. Pflanzenreste werden nur unter Ausschluss von Sauerstoff und sehr langsam zersetzt und auf diese Weise Kohlenstoff gespeichert.
Der Schlüssel dieser Thematik ist das klimaangepasste Wassermanagement. Bisher bestand in den Mooren eher eine landwirtschaftliche Entwässerungstradition. Jetzt müssen wir hin zu einer Klima-Wassermanagementtradition.